21.09.2020

Der Fehlbestand wird immer größer

Kreisschiedsrichterobmann Sascha Kordts verdeutlicht: Es ist unmöglich, die Vielzahl der Spiele am Sonntag zu besetzen.

Das Problem ist kein neues, es wird aber von Jahr zu Jahr gravierender: Dem NFV-Kreis Helmstedt mangelt es an Schieds­richtern, insbesondere an jungen, die für eine bessere Perspektive sor­gen. Denn, so Kreisschiedsrichterobmann Sascha Kordts, „wenn es so weitergeht, werden wir in zwei, drei Jahren erhebliche Probleme haben, Spiele unterhalb der Kreisliga über­haupt noch zu besetzen".

Die Gründe dafür sind vielschich­tig: Da wäre die zu geringe Anzahl an Schiedsrichtern, deren Verfüg­barkeit, die Altersstruktur, die Schwierigkeiten bei der Akquise neuer Anwärter und viele Aspekte mehr. Dabei hat der NFV-Kreis be­reits diverse Ansätze verfolgt, um Lösungen zu finden und dem Pro­blem Herr zu werden.

Gesamtzahl der Schiris ist zu gering
„Aktuell verfügen wir über 63 aktive Schiedsrichter. Hierzu gehören al­lerdings auch die fünf Landes- und Bezirksliga-Schiedsrichter aus unserem Kreis. Von ihnen sind an je­dem Wochenende zwei bis drei im Bezirk unterwegs, und weil hier komplette Gespanne, also ein Schiedsrichter und zwei Assisten­ten, angesetzt werden, fallen uns weitere vier bis sechs Schiedsrichter weg, die sonst auf Kreisebene Spiele leiten 

könnten", erläutert Kordts, der das Amt des Schiedsrichterobmanns im NFV-Kreis Helmstedt im vergan­genen Jahr von Florian Cacalowski übernommen hatte.

Hinzu kommt, dass an jedem Wo­chenende einige Referees aus beruf­lichen oder privaten Gründen nicht zur Verfügung stehen. Und das Co­ronavirus hat das Problem noch ein­mal verschärft: „Die Hälfte unserer Schiedsrichter ist 50 Jahre alt oder älter. Aufgrund der Pandemie ha­ben einige Schiedsrichter darum ge­beten, momentan nicht angesetzt zu werden", berichtet Kordts und nennt eine weitere Vorsichtsmaß­nahme des NFV-Kreises, die sich einschränkend auswirkt: „Wir ha­ben uns darauf geeinigt, dass jeder Schiedsrichter vorerst nur noch ein Spiel pro Tag pfeifen soll."

Mit Blick auf die jungen Schieds­richter kommt ein weiteres Problem dazu: Helmstedt ist gewissermaßen ein „Ausbildungskreis", beschreibt Kordts: „Sie werden hier ausgebil­det, wenn sie dann aber 18, 19 Jahre alt sind, suchen sie sich natürlich eine berufliche Perspektive - und dann hält es viele eben nicht mehr hier in der Region."

Schon mit 63 aktiven Schiedsrichtern sei es „unmöglich, die Vielzahl der Spiele an einem Sonntag zu besetzen", verdeutlicht der26-Jährige. Aufgrund der weiteren Ausfälle entstehen eben zusätzliche Lücken, die dazu führen, dass Sonntagsspiele der 3. Kreisklasse und der Frauen nicht besetzt werden können.

Akquise gestaltet sich schwierig
„Wir können uns nicht einfach vor eine Jugendmannschaft stellen, den Spielern erzählen, welche Vorzüge es für Schiedsrichter gibt, und dann melden sich alle zum Anwärterlehr­gang an - so einfach geht es nicht", betont Kordts. Dabei sind es gerade die Jungschiedsrichter im Alter von 12bis 18Jahren, die demNFV-Kreis fehlen. Natürlich sei es für sie eine gute Möglichkeit, um sich das Ta­schengeld aufzustocken. Die Aus­bildung und auch die Ausstattung wird vom Verein bezahlt. Auch berechtigt der Besitz eines Schiedsrichter­ausweises zum freien Eintritt bei allen DFB-Spielen, also auch denen der 1. und 2. Bundesliga.

Zudem versucht der NFV-Kreis kleine An­reize zu setzen, bei­spielsweise indem er renommierte Schieds­richter zu den Lehr­abenden einlädt. So war schon der gerade auf die Fifa-Liste aufgerückte Harm Osmers zu Gast, um den Helmstedter Kollegen von sei­nen Erlebnissen zu berichten und ihnen Tipps zu geben. Und nicht zuletzt haben die jun­gen Referees eben selbst die Mög­lichkeit, sich nach oben zuarbeiten. „Einige Vereine haben bei uns angefragt, warum sie so viele Schiedsrichter für den Bezirk abstellen müssen. Denen sage ich, dass die Schiedsrichter, ebenso wie die Spieler, ja die Möglichkeit haben aufzusteigen - und dieses Ziel eben auch verfolgen", gibt Kordts zu bedenken.

Aber: Das alles genügt nicht mehr, um Begeisterung für die Ausbildung zum Schiedsrichter zu wecken. Das liegt zweifelsfrei besonders am Umgang der Spieler mit den Unparteiischen. „Man muss schon ein dickes Fell haben", weiß Kordts. „Bei vielen fehlt das Verständnis dafür, dass gerade jun­ge Schiedsrichter auch mal Fehler machen dürfen. Sie müssen von An­fang an perfekt sein - und das gelingt selbst mir mit zwölf Jahren Er­fahrung noch nicht", so der Kreis­schiedsrichterobmann.

Lösungsansätze des NFV-Kreises
Um Jungschiedsrichten den Ein­stieg zu erleichtern, „werden sie im Herrenbereich zunächst vor allem als Assistenten eingesetzt, um erste Erfahrungen zu sammeln", sagt Kordts. „Sie sollen möglichst nicht ins kalte Wasser geworfen werden, indem sie gleich Herrenspiele allein pfeifen müssen." Ein kleines Hilfs­mittel, das sich aber schon bewährt hat, hat der NFV-Kreis kürzlich erst angeschafft - ein Headset, mit dem junge Referees auf Kreisebene von einem Beobachter unterstützt wer­den. „Der Beobachtergreift darüber aber nicht ins Spielgeschehen ein, sondern gibt dem jungen Kollegen nur eine Hilfestellung zu Schieds­richter-spezifischen Dingen, bei­spielsweise den Laufwegen oder sei­nem persönlichen Auftreten, damit er sich etwas sicherer fühlt."

Etwas leichter fällt der Einstieg erfahrungsgemäß einer zweiten Zielgruppe, die Kordts bewusst an­spricht: „Fußballer, die ihre aktive Laufbahn beispielsweise wegen einer Verletzung nicht mehr fortset­zen können, oder auch diejenigen, die in die Altherrenaufgerücktsind. Weil uns auch Schiedsrichter im Al­ter von 28 bis 49 Jahren fehlen, brauchen wir genau diese Perso­nengruppe - aufgrund ihrer fußbal­lerischen Erfahrung", sagt Kordts. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist Torsten Wächter (TSV Germania Helmstedt, siehe Bericht unten). Der Schiedsrichterobmann be­tont jedoch: „Die Vereine müssen selbst aktiver werden, um Schieds­richter zu gewinnen. Der Kreis­schiedsrichterausschuss ist nicht al­lein für die Akquise zuständig. Nur gemeinsam können wir es schaffen, den Fehlbestand so gut es geht zu beseitigen, und dafür sorgen, dass wir möglichst alle Spielklassen be­setzen können."

Interessierte können sich per E-Mail bei Sascha Kordts melden: kordts@--no-spam--nfv-helmstedt.de

 

 
 

 

 

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Seite zuletzt aktualisiert am: 21.09.2020

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